Mittwoch, 26 Juli 2017

Portugal von seiner schönsten Seite

Portugal von seiner schönsten Seite

Der Norden Portugals lockt mit schöner Landschaft und stolz bewahrten Traditionen. An den Hängen entlang des Douro reifen die Trauben für den berühmten Portwein, in den Städten trifft man auf den Glanz vergangener Zeiten.

Bis vor 30 Jahren bremste Portugals Diktatur die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Ein gewisser Verfall lässt sich nicht übersehen. Die meisten der schönen Jugendstil-Fassaden beispielsweise in Porto sind ein wenig angestaubt, viele Häuser sogar verlassen. Einige Straßenreihen glänzen aber bereits in neu renoviertem Licht. Heute werden mit Hilfe von EU-Geldern auch die touristisch interessanten Ziele saniert. Dennoch ist Portugal kein Reiseland, das sich immer auf den ersten Blick erschließt: Es ist ein Land für den zweiten Blick - ein Land für Entdecker.

Porto: Die heimliche Hauptstadt des Nordens

Porto ist nach Lissabon die größte Stadt Portugals. Am Ufer des Douro steht das älteste Viertel der Stadt – die Ribeira. Eigentlich ist es das Viertel der „kleinen Leute“. Aber in den letzten Jahren haben auch Intellektuelle, Künstler und Kneipiers seine Attraktivität entdeckt und die ersten Häuserreihen wurden saniert. Die farbenfrohe Uferpromenade mit ihren Geschäften, Lädchen und Restaurants sind so auch zum Anziehungspunkt für Touristen geworden.

Die Ribeira zieht sich weit den Berg hinauf. Aber nicht überall sehen die Häuser so romantisch aus wie am Flussufer. Noch vor wenigen Jahren waren die enggedrängten Gassen berüchtigtes Kriminellenmilieu, und auch heute sollten Fremde nachts das Viertel meiden.

Oberhalb der schmalen Gassen thront die Kathedrale von Porto, ein Gotteshaus mit romanischen Ursprüngen. Außen zeigt sie sich wehrhaft, innen schlicht: Nur ihre Altäre sind üppig mit Silber und Gold geschmückt. Der Kreuzgang neben der Kirche hat einen ganz anderen Charakter: in Blau-Weiss, verspielt und romantisch, zeigen Kachelbilder weltliche und himmlische Szenen.

Die Kacheln, Azulejosch genannt, kamen mit den Mauren auf die iberische Halbinsel. Ab dem 14. Jahrhundert mauserten sie sich zu einer typisch portugiesischen Dekoration und schmücken längst nicht nur die Wände von Kirchen und Klöstern.

An der repräsentativen Praca da Liberdade haben die Banken und großen Geschäftshäuser ihren Sitz. Nur wenige Meter entfernt liegt der Bahnhof Sao Bento – dessen Wände übrigens ebenfalls mit Kachelbildern geschmückt sind. Täglich kommen hier Tausende Pendler aus dem Umland an, die im geschäftigen Zentrum der 240.000-Einwohner-Stadt arbeiten.

Wer Lust auf einen Stadtbummel hat, ist richtig in der Einkaufsstraße Santa Caterina. Im Cafe Majestic treffen sich schon immer Poeten und Schöngeister zum eitlen Schwatz. Heute kommen auch viele Fremde, um in Gold und altem Leder zu schwelgen. Prächtig und doch ein wenig morbid passt das Jugendstilcafe gut in die Stadt. Vergangenheit und Vergänglichkeit – zwei Begriffe, die in Porto zusammengehören.

Sehenswert ist die Igreja Sao Francisco. Wegen ihrer Dekoration aus reinem Gold wird sie auch die „goldene Kirche“ genannt. Ihre überschwänglichen Verzierungen sind auch Kulisse für klassische Konzerte.

Portugiesen essen und trinken gern. In keinem der zahlreichen kleinen Lebensmittelgeschäfte fehlt der Portwein, dem die Stadt seinen Namen gegeben hat. Alle bekannten Portwein-Hersteller haben ihre Lagerhäuser am gegenüberliegendem Ufer des Douro. Viele sind in englischer Hand – und das schon seit der Erfindung des Portweins vor rund 400 Jahren. Andere gehören alteingesessenen portugiesischen Familien.

In riesigen Eichenfässern lagert der Aperitif, Spitzenportwein sogar jahrzehntelang. Portwein ist Wein, der in seiner Gärung unterbrochen und mit Weingeist versetzt wird – der ausgereifte Port hat rund 20 % Alkohol. Welche Sorten, Verschnitte und Reifegrade es gibt, ist eine Wissenschaft für sich. Besucher können sich bei Führungen durch fast alle großen Portwein-Keller klug machen – und am Ende die Unterschiede der Dessertweine auf der eigenen Zunge erfahren. Weiß, rot oder Tawny, vor oder nach dem Essen – auch wer eigentlich kein Portwein-Freund ist, wird die Keller, Kacheln und Kostproben in Porto sicher in eindrücklicher Erinnerung behalten.

Neben dem Portwein ist der Stockfisch, Bacaljau, allgegenwärtig. Der getrocknete und eingesalzene Kabeljau ist ein Überbleibsel aus der Seefahrerzeit und für die Portugiesen so etwas wie ihr Nationalgericht. Rund 300 Rezepte soll es geben. Er wird gegrillt, gekocht oder in Öl serviert. Schmackhaft, für Mitteleuropäer ist die portugiesische Küche aber oft schwere Kost.

Lesen Sie weiter im Zweiten Teil dieseses Beitrages: Entlang des Douro zwischen grünen Hängen und Weinbergen.

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