Freitag, 28 Juli 2017

Valentinstag: Ursprung und Bedeutung in der Geschichte

Valentinstag: Ursprung und Bedeutung in der Geschichte

Alle Jahre wieder machen uns mehr oder weniger aufdringliche Werbebotschaften darauf aufmerksam, am 14. Februar sei Valentinstag. Und wer sich fragt, warum ich gerade an diesem Tag meine Liebste oder meinen Liebsten mit einem kleinen Geschenk „überraschen“ soll, dem seien hier einige Deutungsmöglichkeiten angeboten:

Die einen sagen, der Brauch, sich am Valentinstag Blumen zu schenken, gehe sehr weit zurück, denn im antiken Rom gedachte man am 14. Februar der Göttin Juno, der Schützerin von Ehe und Familie. An diesem Tag wurden den Frauen Blumen geschenkt. Eine andere Überlieferung spricht von einem Valentin, einem einfachen Priester, der im Rom des Kaisers Claudius II. Liebespaare nach dem christlichen Ritus getraut und den Jungvermählten Blumen aus dem eigenen Garten geschenkt habe. Seine Herzensgüte wäre bestimmt vom Staub der Geschichte überdeckt worden, wenn Valentin nicht zum Tode verurteilt und am 14. Februar 269 hingerichtet worden wäre. Seine Hinwegsetzung über das kaiserliche Verbot, den christlichen Glauben zu praktizieren und zu verbreiten, hatte er bitter büßen müssen. Tröstlich bleibt nur, die Ehen, die von ihm den kirchlichen Segen erhielten, hätten allesamt unter einem guten Stern gestanden. Soviel zur Überlieferung aus vor- und frühchristlicher Zeit.

Schauen wir nicht gar so weit zurück, was das Brauchtum zum Valentinstag anbelangt, dann werden wir in England fündig:

Shakespeare lässt seine Ophelia im “Hamlet” sagen: „To be your Valentine“ und Dr. Nicolaus Delius erklärt dazu unter der Fußnote 15: „Valentine hieß zunächst das Männchen oder Weibchen der Vögel, wie sie sich paarten, was nach dem Volksglauben am St. Valentinstag geschah. Übertragen wurde dann das Wort auf die ländliche Sitte angewandt, am St. Valentinstag durch das Los Liebespärchen zu bestimmen, worin man eine Vorbedeutung für die künftige Verheiratung fand.

Your Valentine ist also = Euer durchs Los am Valentinstag bestimmtes Liebchen.“

Valentinsschatz ursprünglich durch Los gezogen

Eine andere Quelle vermeldet zu diesem Thema: „…auf den 14. Februar, fällt der St. Valentinstag, welcher in England das eigentliche Fest der Jugend und der Liebe ist.

An diesem Tage ist es nämlich Sitte, dass man sich gegenseitig anonym Liebeserklärungen, kleine Geschenke und Neckereien, besonders Gedichte zuschickt, welche Valentine genannt werden. Ihre Zahl soll in London allein jährlich mehr als 200.000 betragen, so dass die Briefträger als Entschädigung für die Mühe, welche sie mehr haben, ein besonderes Mittagsessen aus Rostbraten und Bier (ale) bestehend erhalten.

Der Name Valentine bezog sich ursprünglich jedenfalls auf die Personen, welche man durchs Los gezogen hatte, denn früher loste man die Valentins. Man versammelte sich zu diesem Behuf schon am Vorabend des Valentinstages, und jeder schrieb einen wahren oder erdichteten Namen auf ein Stückchen Papier, rollte dieses zusammen und zog dann, die jungen Männer aus der Büchse der Mädchen, und diese aus der der Männer, ein solches Los heraus. Wen man zog, nannte man seine oder seinen Valentine, und beide waren verpflichtet, sich gegenseitig zu beschenken, doch hielten die Männer mehr an denen, welche ihnen zugefallen, als an denen, welchen sie zugefallen waren. Sie trugen ihre Zettel mehrere Tage lang auf der Brust oder dem Ärmel, und gaben ihren Valentinen Gastmähler und Bälle.

Ebenso wurde ehemals der erste junge Mann oder das erste junge Mädchen, welches man am Morgen auf der Straße oder anderswo sah und das nicht in demselben Hause wohnte, Valentine, und die Landmädchen schweben noch heute in dem festen Glauben, der erste Mann, den sie am Morgen des Valentinstages erblicken, werde ihr Valentin und einst ihr Ehemann, vorausgesetzt, dass er weder mit ihnen in einem Hause wohne, noch mit ihnen verwandt sei, oder gar schon eine Frau habe. Daher stellen sich junge Männer oft schon vor Sonnenaufgang in der Nähe des Hauses oder an der Straße auf, wo ihre Geliebten vorüberkommen müssen, und diese wiederum gehen bei ihren Gängen lieber eine halbe Stunde um, wenn sie dadurch einem Nichterfüllten aus dem Wege gehen können, oder sitzen mit zugemachten Augen den halben Morgen hinter dem Fenster, bis sie die Stimme desjenigen hören, den sie gern möchten.

Die jetzigen Valentines, vom gewöhnlichen doppelten Herzen, das mit einem Pfeile durchbohrt ist und die Unterschrift trägt:

Ich bin dein, wenn du bist mein,
Bin dein lieber Valentein,

bis zu den erfindungsreichsten Zeichnungen und schwungvollsten Gedichten sind ebenso verschiedenartig als zahlreich. Doch sind nicht alle empfindsam, auch der Witz und Humor sind darin vertreten, und der Mutwille der Straßenjugend lässt ebenfalls diese günstige Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen. In der Grafschaft Norfolk z. B., wo es gebräuchlich ist, die Valentins am Abend vor dem Valentinstag zu schicken, wird häufig ein Viereck von der Größe eines Briefes mit Kreide auf die Stufe vor der Tür gemalt und dann heftig an die Tür geklopft. Denn diejenigen, welche einen Valentin überbringen sollen, pflegen in der Regel einen günstigen Augenblick abzuwarten, um den Valentin, an einen Apfel oder an einer Orange befestigt, sobald die Tür aufgeht, unbemerkt hineinzuwerfen, oder zu klopfen, den Valentin hinzulegen und so rasch als möglich davonzulaufen. Die Hausbewohner, welche schon wissen, was das rasche Klopfen zu bedeuten hat, öffnen und suchen nach dem Valentin.

Wenn sie nun den gemalten Brief aufheben wollen, so ist das Vergnügen der kleinen Schelme, welche die Mystifikation veranstaltet haben und gewöhnlich auf der Lauer stehen, natürlich unermesslich groß.

Versetzen wir uns aus England in die deutsch-russischen Ostseeprovinzen, so finden wir in Riga an demselben Tage die Feier der sogenannten Fastnachtsdrunken oder Fastnachtsfreuden der schwarzen Häupter. So heißt nämlich eine uralte Gesellschaft, welche sich fast vor 600 Jahren in Riga bildete und noch jetzt besteht. Ursprünglich eine Art Waffenverbrüderung junger Kaufleute, die ihren Namen wahrscheinlich von ihren schwarzen Helmen bekam und sich aus einem ähnlichen Grunde anfangs Stahlbrüder nannte, ziehen die schwarzen Häupter, zu denen die vornehmsten, reichsten Kaufleute gehören, solange sie jung und unverheiratet sind, noch jetzt bei großen Stadtfesten als besonderes Corps auf und erhalten die Erinnerung an alte Zeit und Sitte durch Essen, Trinken, Tanz und andere gesellige Freuden.

Ähnliche Festlichkeiten sind die sogenannten Seefahrtsmahlzeiten, welche um die Mitte Februar in Bremen abgehalten, und zu denen alle überseeischen Fremden, alle Mitglieder der Schiffergilde und die vier oder fünf Vorsteher mit ihren Frauen eingeladen werden.

Am ersten Tage speisen die Herren allein in dem großen, mit Wappenschildern verzierten altdeutschen Saale des Seefahrtshauses an zwei langen in Hufeisenform gesetzten Tafeln, und bei jedem Gedeck liegt nach alter Sitte eine kleine Tüte von Goldpapier mit Pfeffer und eine andere von Silberpapier mit Salz zum Bestreuen des Stockfisches, welcher bei dieser Mahlzeit auf den Tisch kommt, die davon die Stockfischmahlzeit heißt. Die Damen aber speisen in einem Nebenzimmer, wo sie nach Tische den Kaffee für die Gesellschaft bereiten und die üblichen Besuche der Gäste empfangen.

Am Tage darauf ist in demselben Saale großer Ball für die jungen Leute aus sämtlichen Familien der eingeladenen Herren, und ein glänzendes Abendessen, bei welchem die Frauen und jungen Mädchen mit in bunter Reihe sitzen, und unter vielen Toasten aus großen alten Pokalen das der Braunschweiger Mumme ähnliche dicke Bremer Seefahrtsbier getrunken wird. Erst spät in der Nacht trennt man sich.“

(Das festliche Jahr. In Sitten, Gebräuchen, Aberglauben und Festen der Germanischen Völker.

Von Otto Freiherr v. Reinsberg-Düringsfeld, 1898)

 

Nun, wenn wir am Valentinstag unsere Liebsten mit kleinen Aufmerksamkeiten bedenken, pflegen wir nicht nur eine uralte Tradition, sondern werden auch der Erwartung gerecht, die mit diesem Tag verbunden ist. Denn wie heißt es doch so schön: „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.“ Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Unser Geschenktipp: „Das Geheimnis des Glücks in der Liebe

 

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